sAn & cArlchen

are you a BOY or a GIRL? NO!

Von Macht, Ohnmacht … und der Liebe

jen auf sAn

Jen & sAn

Heute geht’s mal nicht um mich —- sondern um Jen und ihre Bachelorarbeit. Da gab es so einige Höhen, Tiefen und Fallstricke im Prozess der Entstehung dieser Arbeit. Die ich live miterleben durfte …. und der Höhepunkt dieses Prozesses scheint nun mit der (zwangsweisen und doch euphorischen) Veröffentlichung ihrer Bachelorarbeit:  Die (Ohn-)Macht der Übersetzung. Post-koloniales Bewusstsein in der Übersetzungsarbeit. hier auf meinem Blog erreicht zu sein scheint.

Dazu im folgenden ein kleines einführendes Interview mit Jen, um euch den Kontext dieses Beitrags etwas näher zu bringen. Los geht’s:

Wer bist du?
Mein Name ist Jen.  — Ich lebe, lerne und liebe in Berlin und befinde mich in einer dieser identitären (Dauer-)Krisen, die du, sAn, als die typische 23-Jährigen-Krise bezeichnest. Ich nenne sie lieber ‚Leben‘. Krise ist dann doch der falsche Begriff, denn es geht, glaub ich, vielen Menschen immer wieder so, die sich ver-rücken und verunsichern lassen können und wollen.
Ich habe in den letzten Jahren vor allem in Berlin eine Menge gelernt, was über meinen privilegierten Blick auf Welt als weißes1 bürgerliches (Groß-)Stadtkind aus Köln hinausgeht. Mittlerweile bin ich 23 Jahre alt und habe andere Ideen zu gesellschaftlichen Transformationen, als meine links-intellektuell-künstlerisch-feministischen Eltern (ohne meine Anerkennung für deren Kämpfe und Errungenschaften zu verleugnen, ohne die ich nicht da wäre, wo ich nun sein kann).
Der Versuch, mit mir und Gesellschaft nicht nur kritisch, sondern produktiv umzugehen gelingt mir manchmal mehr oder weniger. Ich bringe mich an verschiedenen Stellen aktiv ein und bemerke dabei immer wieder die Eingeschränktheit meines privilegierten Horizontes und die vielen „Hausaufgaben“ (ein Bild von Grada Kilomba), die ich noch zu tun habe.

Worum geht’s dir in deiner Arbeit?
Der Text, also meine Bachelorarbeit, ist ein solcher Versuch des produktiven Umgangs. Es geht um Übersetzungen von post-kolonialen Realitäten und Texten in den deutschen Kontext. Als weiße Lernende schaue ich mir die weißen symbolischen und literarischen Übersetzungen ins weiß-dominierte Deutschland an. Dabei beziehe ich mich vor allem auf Schwarze1 Wissensarchive und Wissensarchive of Color1 und versuche deren Erkenntnisse auf deutschsprachige Übersetzungen anzuwenden. Inwieweit mir das gelungen ist, was für Leerstellen und Verstecke in meiner Arbeit bestehen, erarbeite ich weiter. Die Arbeit ist und bleibt (m)ein Anfang.

Warum schreibst du zu Übersetzung?
Auf diese Frage gehe ich in der Einleitung ausführlicher ein, dennoch hier in Kurzform:
Basierend auf meinem Interesse an der Bedeutung von Sprache und Sprachen habe ich schon länger die Idee Übersetzerin zu werden. (Ich war sogar mal in Köln dafür eingeschrieben und bin jetzt über den Berliner ‚Umweg‘ sehr froh.) Der Plural meint hier nicht nur verschiedene Sprachen wie Deutsch, Indonesisch oder Englisch, sondern auch die unterschiedliche Verwendung von Sprache und die Möglichkeiten sprachlicher und damit gesellschaftlicher Transformation.
Beim Lesen von Übersetzungen post-kolonialer und feministischer Texte und dann erstmals praktisch beim eigenen Übersetzen eines Textes von Karen Barad 2 habe ich gemerkt, wie wesentlich (macht-)politisches Bewusstsein, die Auseinandersetzung mit (Sprech-)Positionen und die Bedeutung spezifischer Wissensarchive für die Übersetzungsarbeit sind.
In der Beschäftigung mit post-kolonialer Theorie und meiner weißen Position im rassistischen System hat sich mir folglich die Frage gestellt, was Übersetzen als politische Handlung in, für und gegen bestehende Machtverhältnisse bedeutet. Hinzu kommt die Kritik an der gern genutzten Metapher der Regionalwissenschaften als kulturelle/symbolische Übersetzung und die darin eingeschriebene Neutralität von dominanten Positionen und Universalität von deren machtvollen Perspektiven.
Erst nach Abschluss der Arbeit bin ich auf folgendes Zitat von Gayatri Chakravorty Spivak gestoßen, das mich in meinem Interesse an übersetzerischer Arbeit konfrontiert hat:

„Einer der Wege, die Begrenzungen der eigenen Identität zu umgehen während man erklärende Prosa produziert, ist, am Eigentum von jemand anders zu arbeiten, weil man mit einer Sprache arbeitet, die vielen anderen gehört. Dies ist letztendlich eine der Verführungen der Übersetzung. Es ist eine einfache Nachahmung der Verantwortung gegenüber der Spur des Anderen im Selbst.“ 3

In welchem Kontext hast du geschrieben?
Der Text ist als Abschlussarbeit meines Bachelor-Studiums am Institut für Asien- und Afrikawissenschaften der HU Berlin entstanden.
Zum Glück hatte ich mich für das Beifach Gender Studies entschieden, es hat mir geholfen kritischer auf die Welt, mich selbst und mein Studium zu schauen. Wobei das zwar ein Startpunkt, aber nicht der entscheidende Faktor für eine Auseinandersetzung mit Rassismuskritik und Post-Kolonialismus war.
Im Semester des Schreibens (SoSe 2009) besuchte ich Dr. Kilombas Seminar zu post-kolonialer Theorie und Frantz Fanons Werk „Black Skin, White Masks“ (tolle Neuübersetzung ins Englische durch Richard Philcox, 2008). Das Seminar hat mich – ebenso wie Grada Kilomba selbst – im Schreiben der Arbeit motiviert und unterstützt.

An dieser Stelle möchte ich mich nochmal bei meiner Betreuerin Dr. Grada Kilomba und meinen Freund_innen Janina, Asoka, dir – sAn, und allen weiteren Begleiter_innen bedanken. Ohne euch würde es mich, wie ich jetzt grade bin, und diese Arbeit nicht geben.

Wie siehst du deine Abschlussarbeit im Rückblick, sie ist nun fast ein halbes Jahr alt?
Es hat sich einiges getan in mir. Ich bin nicht zufrieden mit dem Text und habe ihn auch nicht publizieren wollen. Ganz grundlegende Dinge fehlen, wie Begriffsklärungen zu vielfach theoretisch diskutierten Konzepten (zB Macht, Gewalt), anderen habe ich zu viel Raum gegeben, weil sie zu dem Zeitpunkt für mich – aber eben vielleicht nicht für die Arbeit – besonders wichtig waren.
Der Text ist aber bisher nicht überarbeitet. Wenn ihr also Kritik habt, Fehler entdeckt, Unklarheiten seht, bitte kommuniziert das an mich zurück.

Warum publizierst du sie dann hier?
Weil ich unter akademischem Druck stehe. Nicht dem Druck publizieren zu müssen, um in dieser wahnsinnig hierarchischen universitären Struktur zu bestehen – vor dieser Ausbeutungs-problematik stehen viel zu viele – , sondern weil ich befürchte, dass der Text eventuell anderweitig genutzt wird und ich danach ohne meine Zustimmung mich selbst zitieren muss, wenn ich in Zukunft daran weiterarbeite – was ich vorhabe. Also veröffentliche ich hier, damit ich selbst weiter an diesem Projekt arbeiten und den bestehenden Text frei nutzen kann.
Diese Problematik spielt sich ähnlich öfters im universitären Rahmen ab, der spezifische Kontext ist jedoch besonders machtpolitisch aufgeladen. Es geht um weiße Dominanz in der akademischen Beschäftigung mit post-kolonialer Theorie und Kritischem Weißsein (Lehre, Publikationen, Reputation), die sich Schwarzes Wissen und Wissen of Color aneignet, auf dem sie ihre Wissensproduktion ja überhaupt aufbaut und davon maßgeblich profitiert. Ich empfinde das als ganz zentralen Punkt der Selbstreflektion und Aufmerksamkeit, wenn ich als Weiße mich in diesem Feld (besonders in diesem, in anderen gilt das selbstverständlich auch) bewege.

Warum hast du dich gerade für eine CC-Lizenz entschieden?
In der angedeuteten Situation musste es schnell und unkompliziert gehen. Freund_innen, die sich schon länger auch im digitalen Kontext mit Zugang zu Wissen befassen, haben mich dann auf diese Lizensform aufmerksam gemacht. CreativeCommons.org ermöglicht es, wirklich flott und einfach, ohne Verlage und ohne kommerziellen Druck, Wissen und andere Inhalte zu publizieren. Und das finde ich politisch einen guten Weg: (möglichst) frei zugängliches Wissen als ein Beitrag zu einer hierarchieärmeren Welt.
So wird das Konzept zumindest in mir bekannten Kontexten des web2.0 verwendet und ausgelegt. Die Lizenz, die ich für die Arbeit nutze, beinhaltet imgrunde jene Nutzungsbedingungen, die idealerweise im wissenschaftlichen Arbeiten angewendet werden: die Namensnennung der Urheber_in, das Verbot der Nutzung zu kommerziellen Zwecken und die Weitergabe/Weiternutzung unter denselben Bedingungen.
So bleiben die Inhalte öffentlich zugänglich und können zurückverfolgt, nicht angeeignet und/oder verkauft werden. Inwieweit das bei meiner kleinen BA-Arbeit wirklich nötig ist, ist eine andere Frage, aber ich mag das Prinzip und möchte nicht, dass die Arbeit kommerziell genutzt wird. Die Rückverfolgung an diese Stelle bedingt auch, dass Leser_innen den Kontext des Textes anschauen können, was mir besonders wichtig ist, da sie ja nur ein Anfang ist und ich weiter daran arbeiten will.

Ein Anfang von was?
Na, wie gesagt, die Arbeit war (m)ein Einstieg in kritische Auseinandersetzungen mit Machtverhältnissen – Rassismus, Sexismus und Heteronormativität in der Übersetzungsarbeit.  ‚Einstieg‘ heißt, dass ich damit grade erst angefangen habe und sicher ganz viel noch nicht sehen kann. Bestimmte Probleme werden sicher auch erst in der praktischen Umsetzung präsent.
Ich versuche in meinem weiteren Studium der Gender Studies und dann hoffentlich irgendwann auch als Übersetzerin weiter mit den (macht-)politischen Bedeutungen von Textproduktionen umzugehen. Und damit hoffentlich zu einer Transformation von und durch Übersetzungsarbeit beitragen.

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Fußnoten
1 Die Bezeichnungen Schwarz, of Color, weiß oder andere Benennungen sozialer Ungleichheitskategorien bezeichnen keine essentialistischen Attribute oder Gruppen, sondern sozial hergestellte Gewordenheiten. Mehr dazu in Eggers/Piesche/Kilomba/Arndt: Mythen, Masken und Subjekte. Kritische Weißseinsforschung in Deutschland (2005) oder in meiner Bachelorarbeit, S.7.

2 Barad, Karen (1996): Meeting the universe halfway, Realism and social constructivism without contradiction. In: Lynn Hankinson Nelson & Jack Nelson (eds). Feminism, Science and the Philosophy of Science. Dordrecht, Boston, London, S.161-194.

3 Gayatri Ch. Spivak (1992): „The Politics of Translation“. In: Barrett, Michèle/Phillips, Anne (Hg.), Destabilizing Theory. Contemporary Feminist Debates. Stanford. S.177–200. S. 177. Zitiert in: Gutiérrez Rodríguez, Encarnación (2006): Positionalität übersetzen. Über postkoloniale Verschränkungen und transversales Verstehen. Übersetzung ins Deutsche von Hito Steyerl.

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Download: Jennifer Sophia Theodor: Die (Ohn-)Macht der Übersetzung. Post-koloniales Bewusstsein in der Übersetzungsarbeit. Berlin, 2009.

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ps: liebe lola, auch nochmal einen herzlichen dank an dich für die schnelle und kompetente beratung zu rechts- & lizenzfragen meiner ba-arbeit!!!

November 27, 2009 Posted by | feminismus, gender studies, kritik, wissenschaft | , , , , , , , , , , , , , , | 13 Kommentare

Kritik – Spendensuchmaschine AFROO

Vor ein paar tage postete mari* zu alternativen zum suchmaschinenriese google und stellte (wie auch ich vor einiger zeit) zwei konkret vor. Eine davon afroo – bei der 100% aller Einkünfte zum Bau von Schulen in Afrika verwendet werden.

Ähmm – spenden für afrika? … es handelt sich um dabei um vorerst sechs nationen auf dem kontinent, aber is ja alles das selbe, nöh!

Naja – ich bin vorallem seit der veranstaltungsreihe “EZ = EuroZentrismus?!” von commit Berlin e.V. was „spenden“ angeht etwas konkret kritischer und hab mich dann gemeinsam mit jen mal bei diesem suchmaschinen-wirtschaftswissenschaftlich-studentischen-unicef-…-projekt umgeschaut.

Wir sind uns im großen und ganzen einig … Intention: gut – leider stellen sich die intervention von und auch dieser entwicklungspolitischen arbeit eher einseitig dar und sind entsprechend eng ausgerichtet. Versteht mich nicht falsch – ich hab auch starke probleme mit fehlenden (kinder)rechten, (kinder)armut, kinderarbeit und sehe es ein, dass etwas getan werden sollte, um dem ein ende zu setzen … aber  es fehlt halt ein wichtigiger teil bei dieser arbeit – es fehlen stimmen und konzepte, die die kolonialen zusammenhänge für die notwendigkeit dieser momentanen („entwicklungs“)zusammenarbeit kontextualisieren und machtkritische, antirassistische, antihegemoniale strategien für die noch immer bestehenden unterwerfung nicht-weißer menschen unter unsere normen und werte und die resultierenden verantwortlichkeiten weißer nationen, unsere Verantwortlichkeiten ebenfalls in den blick nehmen.

Nur wenn die (unsere) koloniale geschichte machtkritisch und mit blick auf die kontinuitätslinien bis in unseren heutigen alltag bzw. die („entwicklungspolitische“) zusammenarbeit beleuchtet und reflektiert wird, ist m.E. eine erfolgreiche arbeit für die bekämpfung von unterdrückung und gewalt möglich. Ich denke, das kann vorallem auch eine chance sein, die auch uns (privilegierte weiße) betreffende zwänge und gewaltstrukturen aufzubrechen – denn auch wir stecken mittendrin im hegemonialen diskurs der unterdrückung und haben nicht nur vorteile davon.

Für einen kurzen Einblick in die kritische debatte um entwicklungspolitik hat jen den folgrnden text verfasst …

Da ist es mir mal wieder aufgestoßen: eine Suchmaschine, deren Werbeeinnahmen an das UNICEF-Projekt „Schulen für Afrika“ gehen. Die UNICEF-Werbekampagnen zum Projekt haben bereits mehrfach Schwarze Menschen in Deutschland und in Afrika herabgesetzt und beleidigt, während Unicef zugleich proklamiert, ihnen zu helfen.

http://www.afroo.de � oder: Mit „Spenden für umsonst dabei helfen Afrika langfristig weiterzuentwickeln“.

Kritik und Zweifel an der Sinnhaftigkeit von Entwicklungshilfe.
(Achtung! ein etwas überspitzter Kurzabriss)

Afrika wird homogenisiert, generalisiert und sehr vereinfacht als ‚zu entwickelnd’ (also unterentwickelt) dargestellt, Entwicklung ist dabei ein linearer Prozess, in dem Weiße weiter fortgeschritten sind als Schwarze (vor allem ‚die in Afrika’).  Schwarze Kinder werden als Hilfsbedürftige konstruiert, die sich ohne die Unterstützung weißer Spender_innen und Helfer_innen nicht entwickeln/ denen ohne die Unterstützung durch weiße Entwicklungshilfe nichts beigebracht wird. Jedoch werden sie durch die globalpolitischen Machtverhältnisse eingeschränkt und nicht durch paternalistische Entwicklungszusammenarbeit ermächtigt die Welt zu verändern.

In diversen Projekten in ehemaligen Kolonien schließen sich mehr oder minder qualifizierte Weiße zusammen, um gemeinsam mit einer pseudo-gleichberechtigten Partnerorganisation etwas zur ‚Entwicklung’ beizutragen. Aus einem gut gemeinten und doch kolonialen weißen ‚Helfer_innen’-Bedürfnis entstammt die Idee, unsere Welt zu verbessern bzw. nicht unsere, sondern jene von ‚armen Schwarzen Kulleraugen-Kindern’ auf unicef-Plakaten, die zwischen Giraffen und runden Strohhütten endlich eine Schule aus Stein ‚geschenkt’ (!) bekommen, in der sie eine nach unserer (weißen) Definition richtige Schulausbildung bekommen. Nicht, dass Schulbildung nichts Gutes sei, aber dennoch stellen sich da einige Fragen:

  • Wer baut diese Schulen aus welcher Motivation heraus und mit welcher Legitimation (machtpolitischer Kontext von Geben- und Nehmenländern, die in einem ökonomischen Abhängigkeitsverhältnis zueinander stehen)?
  • Der Aufbau einer europäischen Infrastruktur war ein Teilaspekt von Kolonialismus – wie kann heute darin der Bau von Schulen als Bildungsgeberin verortet werden?
  • Wieso sind die Spendenwerbungen mit stereotypen, rassistischen Bildern in Deutschland so erfolgreich und stoßen nicht auf Widerstand der weißen Mehrheitsgesellschaft?
  • Wieso fördern die Spendeneintreiber_innen nicht ein kritisches Bewusstsein über globale Zusammenhänge? (wären sie nicht Weiße, würde ihr Verhalten vielleicht als ‚Betteln’ bezeichnet. Vgl. Arndt/Hornscheidt (Hg.): Afrika und die deutsche Sprache)?
  • Welche Machtstrukturen beinhaltet die Ideologie des bestehenden Entwicklungsparadigmas und wie spiegeln sich diese in der alltäglichen Praxis von Schulen- oder Brunnenbau, Freiwilligendiensten, Spendenwerbung, Pat_innenschaften und capacity building für good governance wieder?

All dies sind Ideen und Praxen weißer Entwicklungshelfer_innen und -politiker_innen, deren pädagogisch-therapeutische Okkupation nicht an Familien- oder Landesgrenzen halt macht, sondern da ansetzen will, wo es „wirklich dringend nötig ist“. Wer das definiert, ist ja klar. (dazu arbeitet u.a. Aretha Schwarzbach-Apithy) Und wer davon profitiert, sehen wir an der kontinuierlichen und sturen Erhaltung des kolonialen Status quo durch politischen und sozialen Machterhalt der weißen
Weltminderheit.

Nach der Disziplinierung/Zivilisierung der eigenen Gesellschaften zu willigen Arbeitssubjekten, beinhaltet die europäische/weiße Geschichte Jahrhunderte gewaltvoller Unterdrückung und Ausbeutung von Menschen anderer, nicht-weißer ‚Rassen’ (dies bezeichnet eine politischen Positionen in unseren rassifizierten Gesellschaftsstrukturen). Diese weiße
Vorherrschaft hat sich mit dem offiziellen Ende des Kolonialismus keineswegs aufgelöst, sondern bestehende Koloniale Kontinuitäten werden von den Profitierenden/uns Weißen gern übersehen und verschleiert:

  • die Ausbeutung von ökologischen, sozialen und ökonomischen Ressourcen wird hinter ökonomischen Sachzwängen und Naturalisierungen versteckt (Welthandel);
  • die Fortsetzung kolonialer Okkupation (Definitionshegemonie, Wissensproduktion, Naturalisierungen) von Menschen bleibt verborgen hinter der „Notwendigkeit der Zivilisierung/Entwicklung“ kolonisierter Völker (Entwicklungsideologie);
  • die angemaßte weiße Überheblichkeit und die nicht ausreichend aufgearbeitete tiefe Verwurzelung kolonialer Rassentheorien in weißen Gesellschaften wird durch die schlichte Universalisierung und Übertragung weißer/kolonialer Normen und Werte auf den ‚Rest der Welt’* unsichtbar gemacht und tabuisiert. (*auch dies ist eine koloniale Terminologie von Zentrum und Peripherie, „Mutterland/-kontinent“ und Kolonien)

Unsere Weltordnung und die Privilegien der Deutschen Suchmaschinenbenutzer_innen basieren auf der Ausbeutung und Unterdrückung ‚Anderer’. Es ist absurd, dass nun eben diese Privilegierten sich selbst feiern, weil sie „Afrika“ Schulen ‚schenken’, nachdem und während sie die Menschen und das Land des Kontinents Afrika versklavt und ausgebeutet haben. Man könnte anstelle von (noch so alternativen) Entwicklungskonzepten und -politiken doch auch ein mal fordern, dass endlich Reparationen für Kolonialismus, Genozide und Verbrechen an der Mensch(lichk)heit gezahlt werden, wie nach jedem europäischen ‚Stammes -/Bürgerkrieg’ auch.

Eine bedeutende Schuld und Verantwortung für die heutige Lage der Welt liegt historisch bei Europa und dessen hegemonialer Kolonialpolitik. Anstatt uns mit dieser Schuld und unserer Dominanz/Privilegierung auseinanderzusetzen und jenen zuzuhören, die aus der Position der Unterdrückten ihre Unterdrücker_innen analysier(t)en, setzen wir diese Struktur fort, indem wir weiße Helfer_innen um den Globus schicken, die dort als überprivilegierte ‚Kolonisator_innen’ ihre/unsere merk(!)würdigen Sichtweisen auf die Welt ausleben können, um sich danach auf die Schultern zu klopfen, weil sie/wir mal wieder Gutes getan haben und den ‚europäischen Humanismus’ in die Welt gebracht haben …

Weitere Infos & Möglichkeiten zur Auseinandersetzung mit dem Thema:

Januar 22, 2009 Posted by | feminismus, kritik | , , , , , , | 5 Kommentare