sAn & cArlchen

are you a BOY or a GIRL? NO!

Von Macht, Ohnmacht … und der Liebe

jen auf sAn

Jen & sAn

Heute geht’s mal nicht um mich —- sondern um Jen und ihre Bachelorarbeit. Da gab es so einige Höhen, Tiefen und Fallstricke im Prozess der Entstehung dieser Arbeit. Die ich live miterleben durfte …. und der Höhepunkt dieses Prozesses scheint nun mit der (zwangsweisen und doch euphorischen) Veröffentlichung ihrer Bachelorarbeit:  Die (Ohn-)Macht der Übersetzung. Post-koloniales Bewusstsein in der Übersetzungsarbeit. hier auf meinem Blog erreicht zu sein scheint.

Dazu im folgenden ein kleines einführendes Interview mit Jen, um euch den Kontext dieses Beitrags etwas näher zu bringen. Los geht’s:

Wer bist du?
Mein Name ist Jen.  — Ich lebe, lerne und liebe in Berlin und befinde mich in einer dieser identitären (Dauer-)Krisen, die du, sAn, als die typische 23-Jährigen-Krise bezeichnest. Ich nenne sie lieber ‚Leben‘. Krise ist dann doch der falsche Begriff, denn es geht, glaub ich, vielen Menschen immer wieder so, die sich ver-rücken und verunsichern lassen können und wollen.
Ich habe in den letzten Jahren vor allem in Berlin eine Menge gelernt, was über meinen privilegierten Blick auf Welt als weißes1 bürgerliches (Groß-)Stadtkind aus Köln hinausgeht. Mittlerweile bin ich 23 Jahre alt und habe andere Ideen zu gesellschaftlichen Transformationen, als meine links-intellektuell-künstlerisch-feministischen Eltern (ohne meine Anerkennung für deren Kämpfe und Errungenschaften zu verleugnen, ohne die ich nicht da wäre, wo ich nun sein kann).
Der Versuch, mit mir und Gesellschaft nicht nur kritisch, sondern produktiv umzugehen gelingt mir manchmal mehr oder weniger. Ich bringe mich an verschiedenen Stellen aktiv ein und bemerke dabei immer wieder die Eingeschränktheit meines privilegierten Horizontes und die vielen „Hausaufgaben“ (ein Bild von Grada Kilomba), die ich noch zu tun habe.

Worum geht’s dir in deiner Arbeit?
Der Text, also meine Bachelorarbeit, ist ein solcher Versuch des produktiven Umgangs. Es geht um Übersetzungen von post-kolonialen Realitäten und Texten in den deutschen Kontext. Als weiße Lernende schaue ich mir die weißen symbolischen und literarischen Übersetzungen ins weiß-dominierte Deutschland an. Dabei beziehe ich mich vor allem auf Schwarze1 Wissensarchive und Wissensarchive of Color1 und versuche deren Erkenntnisse auf deutschsprachige Übersetzungen anzuwenden. Inwieweit mir das gelungen ist, was für Leerstellen und Verstecke in meiner Arbeit bestehen, erarbeite ich weiter. Die Arbeit ist und bleibt (m)ein Anfang.

Warum schreibst du zu Übersetzung?
Auf diese Frage gehe ich in der Einleitung ausführlicher ein, dennoch hier in Kurzform:
Basierend auf meinem Interesse an der Bedeutung von Sprache und Sprachen habe ich schon länger die Idee Übersetzerin zu werden. (Ich war sogar mal in Köln dafür eingeschrieben und bin jetzt über den Berliner ‚Umweg‘ sehr froh.) Der Plural meint hier nicht nur verschiedene Sprachen wie Deutsch, Indonesisch oder Englisch, sondern auch die unterschiedliche Verwendung von Sprache und die Möglichkeiten sprachlicher und damit gesellschaftlicher Transformation.
Beim Lesen von Übersetzungen post-kolonialer und feministischer Texte und dann erstmals praktisch beim eigenen Übersetzen eines Textes von Karen Barad 2 habe ich gemerkt, wie wesentlich (macht-)politisches Bewusstsein, die Auseinandersetzung mit (Sprech-)Positionen und die Bedeutung spezifischer Wissensarchive für die Übersetzungsarbeit sind.
In der Beschäftigung mit post-kolonialer Theorie und meiner weißen Position im rassistischen System hat sich mir folglich die Frage gestellt, was Übersetzen als politische Handlung in, für und gegen bestehende Machtverhältnisse bedeutet. Hinzu kommt die Kritik an der gern genutzten Metapher der Regionalwissenschaften als kulturelle/symbolische Übersetzung und die darin eingeschriebene Neutralität von dominanten Positionen und Universalität von deren machtvollen Perspektiven.
Erst nach Abschluss der Arbeit bin ich auf folgendes Zitat von Gayatri Chakravorty Spivak gestoßen, das mich in meinem Interesse an übersetzerischer Arbeit konfrontiert hat:

„Einer der Wege, die Begrenzungen der eigenen Identität zu umgehen während man erklärende Prosa produziert, ist, am Eigentum von jemand anders zu arbeiten, weil man mit einer Sprache arbeitet, die vielen anderen gehört. Dies ist letztendlich eine der Verführungen der Übersetzung. Es ist eine einfache Nachahmung der Verantwortung gegenüber der Spur des Anderen im Selbst.“ 3

In welchem Kontext hast du geschrieben?
Der Text ist als Abschlussarbeit meines Bachelor-Studiums am Institut für Asien- und Afrikawissenschaften der HU Berlin entstanden.
Zum Glück hatte ich mich für das Beifach Gender Studies entschieden, es hat mir geholfen kritischer auf die Welt, mich selbst und mein Studium zu schauen. Wobei das zwar ein Startpunkt, aber nicht der entscheidende Faktor für eine Auseinandersetzung mit Rassismuskritik und Post-Kolonialismus war.
Im Semester des Schreibens (SoSe 2009) besuchte ich Dr. Kilombas Seminar zu post-kolonialer Theorie und Frantz Fanons Werk „Black Skin, White Masks“ (tolle Neuübersetzung ins Englische durch Richard Philcox, 2008). Das Seminar hat mich – ebenso wie Grada Kilomba selbst – im Schreiben der Arbeit motiviert und unterstützt.

An dieser Stelle möchte ich mich nochmal bei meiner Betreuerin Dr. Grada Kilomba und meinen Freund_innen Janina, Asoka, dir – sAn, und allen weiteren Begleiter_innen bedanken. Ohne euch würde es mich, wie ich jetzt grade bin, und diese Arbeit nicht geben.

Wie siehst du deine Abschlussarbeit im Rückblick, sie ist nun fast ein halbes Jahr alt?
Es hat sich einiges getan in mir. Ich bin nicht zufrieden mit dem Text und habe ihn auch nicht publizieren wollen. Ganz grundlegende Dinge fehlen, wie Begriffsklärungen zu vielfach theoretisch diskutierten Konzepten (zB Macht, Gewalt), anderen habe ich zu viel Raum gegeben, weil sie zu dem Zeitpunkt für mich – aber eben vielleicht nicht für die Arbeit – besonders wichtig waren.
Der Text ist aber bisher nicht überarbeitet. Wenn ihr also Kritik habt, Fehler entdeckt, Unklarheiten seht, bitte kommuniziert das an mich zurück.

Warum publizierst du sie dann hier?
Weil ich unter akademischem Druck stehe. Nicht dem Druck publizieren zu müssen, um in dieser wahnsinnig hierarchischen universitären Struktur zu bestehen – vor dieser Ausbeutungs-problematik stehen viel zu viele – , sondern weil ich befürchte, dass der Text eventuell anderweitig genutzt wird und ich danach ohne meine Zustimmung mich selbst zitieren muss, wenn ich in Zukunft daran weiterarbeite – was ich vorhabe. Also veröffentliche ich hier, damit ich selbst weiter an diesem Projekt arbeiten und den bestehenden Text frei nutzen kann.
Diese Problematik spielt sich ähnlich öfters im universitären Rahmen ab, der spezifische Kontext ist jedoch besonders machtpolitisch aufgeladen. Es geht um weiße Dominanz in der akademischen Beschäftigung mit post-kolonialer Theorie und Kritischem Weißsein (Lehre, Publikationen, Reputation), die sich Schwarzes Wissen und Wissen of Color aneignet, auf dem sie ihre Wissensproduktion ja überhaupt aufbaut und davon maßgeblich profitiert. Ich empfinde das als ganz zentralen Punkt der Selbstreflektion und Aufmerksamkeit, wenn ich als Weiße mich in diesem Feld (besonders in diesem, in anderen gilt das selbstverständlich auch) bewege.

Warum hast du dich gerade für eine CC-Lizenz entschieden?
In der angedeuteten Situation musste es schnell und unkompliziert gehen. Freund_innen, die sich schon länger auch im digitalen Kontext mit Zugang zu Wissen befassen, haben mich dann auf diese Lizensform aufmerksam gemacht. CreativeCommons.org ermöglicht es, wirklich flott und einfach, ohne Verlage und ohne kommerziellen Druck, Wissen und andere Inhalte zu publizieren. Und das finde ich politisch einen guten Weg: (möglichst) frei zugängliches Wissen als ein Beitrag zu einer hierarchieärmeren Welt.
So wird das Konzept zumindest in mir bekannten Kontexten des web2.0 verwendet und ausgelegt. Die Lizenz, die ich für die Arbeit nutze, beinhaltet imgrunde jene Nutzungsbedingungen, die idealerweise im wissenschaftlichen Arbeiten angewendet werden: die Namensnennung der Urheber_in, das Verbot der Nutzung zu kommerziellen Zwecken und die Weitergabe/Weiternutzung unter denselben Bedingungen.
So bleiben die Inhalte öffentlich zugänglich und können zurückverfolgt, nicht angeeignet und/oder verkauft werden. Inwieweit das bei meiner kleinen BA-Arbeit wirklich nötig ist, ist eine andere Frage, aber ich mag das Prinzip und möchte nicht, dass die Arbeit kommerziell genutzt wird. Die Rückverfolgung an diese Stelle bedingt auch, dass Leser_innen den Kontext des Textes anschauen können, was mir besonders wichtig ist, da sie ja nur ein Anfang ist und ich weiter daran arbeiten will.

Ein Anfang von was?
Na, wie gesagt, die Arbeit war (m)ein Einstieg in kritische Auseinandersetzungen mit Machtverhältnissen – Rassismus, Sexismus und Heteronormativität in der Übersetzungsarbeit.  ‚Einstieg‘ heißt, dass ich damit grade erst angefangen habe und sicher ganz viel noch nicht sehen kann. Bestimmte Probleme werden sicher auch erst in der praktischen Umsetzung präsent.
Ich versuche in meinem weiteren Studium der Gender Studies und dann hoffentlich irgendwann auch als Übersetzerin weiter mit den (macht-)politischen Bedeutungen von Textproduktionen umzugehen. Und damit hoffentlich zu einer Transformation von und durch Übersetzungsarbeit beitragen.

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Fußnoten
1 Die Bezeichnungen Schwarz, of Color, weiß oder andere Benennungen sozialer Ungleichheitskategorien bezeichnen keine essentialistischen Attribute oder Gruppen, sondern sozial hergestellte Gewordenheiten. Mehr dazu in Eggers/Piesche/Kilomba/Arndt: Mythen, Masken und Subjekte. Kritische Weißseinsforschung in Deutschland (2005) oder in meiner Bachelorarbeit, S.7.

2 Barad, Karen (1996): Meeting the universe halfway, Realism and social constructivism without contradiction. In: Lynn Hankinson Nelson & Jack Nelson (eds). Feminism, Science and the Philosophy of Science. Dordrecht, Boston, London, S.161-194.

3 Gayatri Ch. Spivak (1992): „The Politics of Translation“. In: Barrett, Michèle/Phillips, Anne (Hg.), Destabilizing Theory. Contemporary Feminist Debates. Stanford. S.177–200. S. 177. Zitiert in: Gutiérrez Rodríguez, Encarnación (2006): Positionalität übersetzen. Über postkoloniale Verschränkungen und transversales Verstehen. Übersetzung ins Deutsche von Hito Steyerl.

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Download: Jennifer Sophia Theodor: Die (Ohn-)Macht der Übersetzung. Post-koloniales Bewusstsein in der Übersetzungsarbeit. Berlin, 2009.

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ps: liebe lola, auch nochmal einen herzlichen dank an dich für die schnelle und kompetente beratung zu rechts- & lizenzfragen meiner ba-arbeit!!!

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November 27, 2009 - Posted by | feminismus, gender studies, kritik, wissenschaft | , , , , , , , , , , , , , ,

13 Kommentare »

  1. ich freu mich, dass die arbeit online steht und hoffe bald mal eine ruhige minute zum lesen zu finden – ich bin gespannt. ich wünsche dir viel austausch und diskussionen zu deiner arbeit 🙂

    Kommentar von danilola | November 28, 2009

  2. liebe jen, danke für das interview und die präsentation deiner arbeit auf diesem blog und der cc-lizenz. ich finde dein thema wirklich sehr spannend und werde deine arbeit bei gelgenheit lesen. lg mari

    Kommentar von Marius | November 29, 2009

  3. hallo jen,
    nach euer beider interview verstehe ich den inhalt deiner arbeit jen und die schwierigkeiten an den universitäten besser. ich wünsch dir und sAn immer weiter kraft nicht aufzugeben und mir und allen anderen auch. danke für die veröffentlichung.

    lieben gruß mele

    Kommentar von Mele | November 30, 2009

  4. Was Jen über Sprache und die Art wie das Verwenden selbiger im Hinblick auf das Generieren von Realität schreibt, halte ich für sehr vernünftig. Was mir aber überhaupt nicht einleuchtet, und sogar bis hin zur Paradoxität widersprüchlich erscheint, ist ihre Verwendung des kursiv gesetzten Terminus „weiß“, etwa wenn sie über „weiße Forscher_innen, Wissenschaftler_innen“ etc. spricht. Dieser Gruppe Menschen wird, so scheint mir, auf ähnliche Art eine Kollektivschuld attestiert – und zwar alleine dadurch, dass sie weiß sind – wie sie in der Vergangenheit allen Deutschen, unabhängig davon ob sie nun Nazis, Widerständler oder Juden waren (denn auch deutsche Juden waren, wie viele andere Opfer des Nationalsozialismus, Deutsche) zugesprochen wurde.

    Doch auch abgesehen von dieser vermeintlichen Kollektivschuld verstehe ich nicht, wieso mit dem Terminus „weiß“ ausgerechnet ein offensichtlich rassistischer Begriff gewählt wird, und das in einem Kontext, in dem es gerade darum geht Rassismus zu entlarven. Reverse racism? Warum nicht „westlich-kolonial“ oder so ähnlich? Wieso ausgerechnet „weiß“? Das ist für mich die „N***“-Diskussion mal minus eins. Soll der böse Weiße mal spüren wie das ist, wenn man auf seine Hautfarbe reduziert wird, unabhängig davon was man als Individuum denkt, und eingebettet in eine rassisch-völkische Kollektivschuld? Ich verstehe das nicht, da bin ich ganz ehrlich.

    ***…von sAn bearbeitet.

    Kommentar von Name (benötigt) | Dezember 6, 2009

  5. liebe lola, mari, mele, danke für eure kommentare. bitte gerne auch kritisches feedback zur arbeit (auch per mail), wenn/falls gelesen.. merci beaucoup de jen

    zu dem letzten kommentar, der anonym eingetragen wurde:

    klar gibt es das problem, im versuch der analyse und veränderung von machtverhältnissen mit begriffen umgehen zu müssen, die diesen machtverhältnissen entspringen.
    ich versuche, mich da jeweils an jenen positionen und sprechweisen zu orientieren, die aus der gewalt-erfahrenden perspektive machtverhältnisse analysieren. so hoffe ich zu vermeiden, durch meine sprache gewalt auszuüben (wobei dennoch immer relevant bleibt wer spricht)

    ich möchte mich nicht an einer anonymen stimme abarbeiten, aber ein paar punkte will ich nicht so stehen lassen, wie sie der obige kommentar impliziert:

    – meines erachtens relativiert dein kommentar rassistische strukturen

    – es handelt sich bei den benennungspraxen nicht um meine persönlichen einfälle (wie deine kritik nahelegt), sondern um eine von Schwarzen Akademiker_innen geprägte Form der Bezeichnung von Positionen im rassistischen System –> dazu gehört fußnote 1 mit literaturhinweis

    – hierbei geht es nicht um „hautfarbe“ (es gibt keine ‚rassen‘!) sondern um historisch gewordene positionen in sozialen, politischen und ökonomischen strukturen

    weiße haben sich ihr weißsein als legitimation ihrer kolonialen ausbeutung und ermordung von Menschen in der ganzen Welt selber ausgedacht und es gewaltvoll hergestellt. und jetzt sollen sie weiter alle Menschen so gewaltvoll kolonial benennen dürfen wie sie wollen, aber sich weigern, selbst im noch immer machtvollen rassistischen system positioniert zu werden?
    na denn, bleibt ja alles beim alten, wa?!

    – es geht auch nicht um schuld oder reduzierung, sondern um die sichtbarmachung von kolonialismus und rassismus, die für transformation notwendig ist — hierfür müssen rassistische strukturen aufgezeigt und benannt werden, und in ihnen nicht nur diskriminierte positionen, sondern auch die pseudo-unsichtbare, privilegierte, gewaltvolle norm des weißseins

    – das hat mit verantwortlichkeit für mein eigenes weißes Handeln zu tun, das in einem solchen system rassistisch geprägt und somit potentiell gewaltvoll ist
    (wie deine verwendung des N-Wortes. dazu gibt es m.E. keine „diskussion“, sondern koloniale und anti-koloniale positionen, z.b. bei grada kilomba.
    welchen du zuhörst, musst du entscheiden… ohne entscheidung werden es wohl die kolonialen sein, die ja mittlerweile sogar in der taz schreiben.)

    – das kann individual-mensch nicht einfach wegwischen und sich in „progressiver identifikation“ außerhalb der eigenen geschichte, kultur und diskurse positionieren

    – es gibt keinen „Reverse Racism“. Rassismus kann nicht umgekehrt werden. Rassistische Gewalt ist an Macht gebunden und ist dadurch erst als solche wirksam. Im rassistischen System haben weiße Leute die Machtposition inne, also gibt es keinen Rassismus gegen Weiße. Aus einem Seminar zitiere ich: „Gegenvorwürfe des „Rassismus gegen weiße Leute“ … sind Relativierungen und Ausblendungen von Rassismus!“

    antworten auf zB die hier aufgeworfenen fragen sind unter anderem im buch „Deutschland Schwarz Weiss“ von Noah Sow zu finden, das explizit weiße leute adressiert und mir gut verständlich einführend rassismus in deutschland erklärt hat…

    Kommentar von jen | Dezember 8, 2009

  6. liebe_r Anonym!

    Trotzig den so-gefühlten(!) Rassismusvorwurf von sich zu weisen und auch noch zurückzuschicken halt ich für völlig unproduktiv! Deine Reatktion zeigt auch sehr gut wie tief gekränkt das [i]weiße[/i], narzistisch-, rassistische Unterbewußtsein immer noch „sein muss“ …

    Es geht aber (auch!) darum sich als weiß sozialisiert zu erkennen und ermöglicht es sogar, durch diese Fremd- und Selbst-Benennung, mit- und vor allem „der Anderen“ (von uns Weißen zugeschriebenen) Positionen nachzufühlen! Mich hat diese „Anklageposition“, und dass ich diese Position einfach auch mal angenommen habe, sehr viel gelehrt! Ich empfehle dir es einfach mal zuzulassen und auszuprobieren und mit dem Herzen zu schauen, ohne sofort angepisst zu sein und dein Weißsein verteidigen und rechtfertigen sowie auch noch relativieren zu müssen – was du letztendlich damit tust!

    Ich danke Jen´s Mentorinnen, dass ich durch sie und letztendlich Jen so viel über Denken, Sprache(!) und Handeln lernen konnte und durfte!

    Mögen eure Verdienste allen lebenden Wesen zugute kommen!
    Mögen alle Wesen glücklich und frei von Leid sein!

    dat bLumEnhiRn

    Kommentar von bLumEnhiRn | Dezember 8, 2009

  7. liebes blumenhirn,
    herzlichen dank für deine inspirierenden worte!
    du bist in diesem kontext nicht namentlich genannt, aber auch dir gilt mein dank für deinen rückbezug theoretischer überlegungen in herz und mensch… (hoffe, du verstehst was ich meine 🙂
    alles liebe
    jen oder jen oder jen
    (drei verschiedene versuche, gespannt welcher klappt…)
    gestern nacht habe ich nämlich gelernt, dass html mit spitzen (nicht eckigen) klammern funktioniert, den rest hab ich wieder vergessen, wie ihr hier sehen könnt 🙂

    Kommentar von jen | Dezember 8, 2009

  8. Sorry, ich gebe offen zu: Ich kann dem nicht einmal ansatzweise gedanklich folgen. Anders gesagt: Ich versuche zu folgen, lande aber nur in Sackgassen. Das kann entweder an meiner eigenen Beschränktheit liegen, ist gut möglich, oder aber daran, dass die Gedankengänge nur dann Sinn machen, wenn man eine Reihe (leider unbenannt gebliebener und daher für mich nicht nachvollziehbarer) den Gedankengängen zu Grunde liegende Prämissen teilt.

    Dankesehr auf jeden Fall für die Erläuterungen.

    Folgt daraus eigentlich irgendetwas praktisches, außer dem Anprangern bestimmter Redewendungen, oder ist das ganze Thema nur interessant für Akademiker? Ich kann mir nicht vorstellen, wie man das bspw. Neuntklässlern verständlich machen könnte, was ihr da für Positionen vertretet.

    Kommentar von Name (benötigt) | Dezember 10, 2009

  9. na genau darum gehts ja bei der ganzen sache: um die veränderung von gesellschaftlicher praxis, deren status quo für viele/fast alle menschen strukturelle gewalt/verletzungs-erfahrungen mit sich bringt.
    eine prämisse ist, dass diese gesellschaft ja aus menschen besteht, die durch ihre eigene beschäftigung mit sich und ihren umgang mit welt diese strukturen verändern können. (und das lässt sich kindern -siehe dein bsp. – meist besser erklären – bzw. eigentlich wissen sie es noch – , als erwachsenen, die meinen, die welt schon verstanden zu haben und sich da nicht reinpfuschen (lassen) wollen).

    wenn du die arbeit gelesen hättest, wüsstest du auch, dass es mir darin um praxis geht und nicht um akademische übungen. bloß basiert diese praxis auf wissenskomplexen und um die praxis zu verändern bedarf es eines blicks auf das ihr zugrunde liegende wissen. ist dieses rassistisches wissen, ist auch die praxis rassistisch. ich denke, mensch muss immer beides betrachten, um was zu verändern.

    deine haltung hierzu finde ich merkwürdig, da du scheinbar die notwendigkeit zu gesellschaftlicher transformation (die zentralste prämisse dieser ganzen auseinandersetzung!) nicht siehst bzw. nicht auf dich beziehst (ich denke, das ist deine sackgasse), sondern schlicht gegenhälst.
    ich bin nicht dafür verantwortlich, was du verstehen willst oder nicht. das musst du selber machen…

    Kommentar von jen | Dezember 10, 2009

  10. mein eigentlich punkt war, dass ich die verwendung der begriffe „schwarz“ und „weiß“, so wie sie in der arbeit benutzt werden, in sich widersinnig und in letzter konsequenz rassistisch finde. „schwarze wissenschaftler_innen“ definieren also, was „weiß“ ist – aber mit „schwarz“ und „weiß“ sind nicht die hautfarben gemeint, sondern irgendwelche ominösen „gewordenheiten“. wer’s glaubt wird selig.

    und in der tat, ich finde die grundannahme, dass der „status quo für viele/fast alle menschen strukturelle gewalt/verletzungs-erfahrungen mit sich bringt“ etwas seltsam. das leben ist kein ponyhof und ECHTE probleme wie kriege, vertreibung, naturkatastrophen etc. finden in diesen debatten scheinbar nicht statt, stattdessen wird auf irgendwelchen worten rumgeritten. der mensch ist weder ausschließlich gut noch ausschließlich böse, sondern beides, und zwar jeder mensch. das gilt auch für kinder. und das kann man der menschheit auch nicht kollektiv aberziehen, indem man um bestimmte worte ein riesenbrimborium macht.

    ich finde dieses ganze politisch korrekte gutmenschentum masturbatorisch. anstatt wirklich was zu tun und sich die finger dabei schmutzig zu machen, regt man sich im kuschligen europa über formulierungen auf, die dem rest der welt ohnehin egal sind, weil man dort oftmals primär was zu essen braucht. jammern auf hohem niveau zum polieren des egos.

    Kommentar von Name (benötigt) | Dezember 10, 2009

  11. hey anonymus =)

    ein wenig kann ich dein (nachvollzieh)problem durchaus verstehen, denn wie du ja selbst sagt, je nachdem welche prämissen und verknüpfungsstrukturen den eigenen gedankengängen und argumentationen zugrunde liegen, kann ich einer sache folgen oder eben auch nicht.

    und hier sind wir ja bei genau einem problem weißem denkens. das weißem subjekt bzw. dessen argumentationsstrukturen sind unsichtbar. und zwar unsichtbar im sinne von naturalisiert. Um das nachvollziehen zu können, empfehle ich dir folgenden podcastbeitrag von kerstin palm zur „natur der schönheit“: http://agqueerstudies.de/kerstin-palm-die-natur-der-schonheit/. da zeigt sie bspw. sehr formal und daher gut nachvollziehbar am beispiel von geschlechtkonstruktionen wie naturalisierende argumentationen praktiziert werden. zum thema rassifizierung funktioniert das ähnlich, wobei die jeweiligen prämissen & konsequenzen natürlich anders sind. Da empfiehlt es sich mal vor der spezifisch deutschen geschichte definitionen von rassismus anzuschauen.

    so als tip um sich schlau zu lesen, sei an hier nochmals auf das buch „Deutschland Schwarz Weiss“ von Noah Sow zu finden, das explizit weiße leute adressiert. es gibt dazu aber auch ne menge im netz – einfach mal googlen. und vorallem Schwarze stimmen und stimme von menschen of Colour lesen bzw. zu hören.

    vllt. noch eine weitere empfehlung (solltest du in berlin wohnen) – eine vortragsreihe in der humboldt-uni, um
    18.30 Uhr im Hauptgebäude (Unter den Linden 6), Raum 3038/3035:

    • 16.12. Yonas Endrias: Rassismus in der Wissenschaft – wissenschaftlicher Rassismus
    • 13.01. Aretha Schwarzbach-Apithy: Weiße kolonial-rassistische Lebensart – innere Kolonisierung
    • 27.01. Prof. Dr. M. Maisha Eggers: Dekolonisierung als methodisches & methodologisches Projekt der Wissenschaftskritik

    und zu deiner letzteren frage: wenn sprache realität schafft, und wir diese auf macht- und ungleichheitskritische weise sichtbar machen und transformieren, dann müsste sich auch ja auch die realität ändern. ich halte das durchaus für einen sehr praktischen ansatzt. vorallem vor dem hintergrund, das wir uns ja die ganze zeit (auch) über sprache kommunikativ auseinandersetzen und uns so gegenseitig erzählen, was wir für gut und richtig halten und was nicht. und das ist alles sehr real.

    und zu den neuntklässern – also ich weiß, es gibt ne menge material. du mußt halt suchen, weil diese positionen im gesellschaftlichen diskurs nicht ganz so verbreitet sind, aber es gibt arbeitsmaterial. oder such die halt (am besten nicht-weiße) referent_innen, die sich mit dem thema schon lange auseinandersetzen, quasi zwangsweise ihr ganzes leben. auch von denen gibt’s genug =)

    oder geschichtsunterricht – nehmt in den geschichtsunterricht die zeit der aufklärung doch mal kritisch unter die lupe. damals war das sicher eine emanzipative bestrebung, aber es sind auch viele ding mies gelaufen und die treiben bis heute ihr unwesen – bspw. geschlechterkonstruktionen, rassenkonstruktionen, und viele andere (identitäts)konstruktionen oder die grundlegenden prämissen, die die wissenschaft ihrem eigenen handeln zugrunde legt (neutralität, objektivität, universalität).

    ich erinnere mich bspw. auch in meinem geschichtsunterricht das wort kolonialismus zwar schon mal gehört zu haben, der chonologisch-kausale verweis ging dann auf die ns-zeit und den 2.weltkrieg und brach dann mit der (eher abstrakten) verantwortung der deutschen für die ns-verbrechen (im sinne „nie wieder“) ab.

    die zeit der aufklärung & des kolonialismus in dessen zuge bspw. rassenkonstruktionen entstanden sind wurde nicht erwähnt, so dass die kontinuität dieser theorien bis heute gebrochen bleibt. und hier sehen ich und auch die vielen anderen durchaus ne menge handlungspotenzial – vergangenheit mit den heutigen gegebenheiten zu verbinden. hierzu eignet sich doch sprache gut, zu schauen welchen (problematischen) begriffe gibt es? – woher bzw. von wem und aus welcher zeit kommen sie? – wie wurden sie mit bedeutung belegt und welche dieser bedeutungen haben sich in welchen sozialen kontexten und debatten bis heute gehalten, welche wurden wo und wie verändert? > erscheint mir recht praktisch – oder?

    Kommentar von sAn & cArlchen | Dezember 10, 2009

  12. „mein eigentlich punkt war, dass ich die verwendung der begriffe „schwarz“ und „weiß“, so wie sie in der arbeit benutzt werden, in sich widersinnig und in letzter konsequenz rassistisch finde. „schwarze wissenschaftler_innen“ definieren also, was „weiß“ ist – aber mit „schwarz“ und „weiß“ sind nicht die hautfarben gemeint, sondern irgendwelche ominösen „gewordenheiten“.“

    ja genau – die begriffe rufen rassentheoretische ideen auf und auch genau darum geht’s – sie mit samt ihren rassifizierenden implikationen sichtbar zu machen – wirksam sind sie allemal seit langer langer zeit!

    und nachdem sie -natürlich mit hilfe des hegemonialen diskurs, denn nur in diesem kann „öffentlich“ artikuliert werden- sichtbar geworden sind, kann eine transformative praxis ein- und ansetzen, um dann auch in einem nächsten schritt GEMEINSAM! lösungen zu finden – und zu einem gemeinsam gehört, dass ALLE was sagen und definieren können vorallem wen es um ihr eigenes reales leben geht, und diese in den jeweils verhandelten sachverhalt einliesen.

    und wir weißen ham dazu ja wohl schon lange genug gesprochen und definiert – ja genau jetzt heißt’s (für mich) auch mal die anderen positionen anzuhören und ihnen raum und relevanz zuverschaffen.

    das ganze denke ich persönlich nicht auf globaler repräsentationspolitischer ebene, sondern lokal in einem globalen kontext. anders kann ich das (im moment) nicht.

    und glaub mir, ich weiß wieviel ich nicht weiß, aber das ist nicht so schlimm, weil ich kann gar nicht alles wissen, aber jede_r weiß von sich und ihrem_seinem leben und kann mir davon erzählen. so dass ich dann im moment mehr weiß als ich eigentlich weiß und mir nicht den kopf darum zerbrechen muß. ich rede, was ich lebe und du redest, was du lebst – und nicht: du erzählst mir, was ich denke und fühle und ich rate, was du denkst und fühlst.

    „ECHTE probleme wie kriege, vertreibung, naturkatastrophen etc. „ ….und haste dir mal angeschaut wo diese „echten“ probleme herkommen und zwar mit verschiedenen (machtkritischen) methoden? wer in diesen kriegen die „echten“ verliere_innen und gewinner_innen sind?
    „finden in diesen debatten scheinbar nicht statt, stattdessen wird auf irgendwelchen worten rumgeritten“ …es wird nicht darauf rumgeritten, sondern jen & ich (& andere) versuchen links zu schaffen, die bspw. die kriege (wir können ja schließlich nicht aufstehen und uns zwischen die fronten, die dann auch noch zu klären wären, stellen und liebe predigen-?) mit unserem eigenen alltäglichen handeln zuverknüpfen.

    und ja das kann MAN der menschheit nicht einfach so aberziehen – aber noch lange kein grund sich nach hintenzulehnen (zu mal das die wenigsten der menschheit real können) und gar nichts zu machen. ausserdem will ich überhaupt niemanden erziehen, sondern aufmerksam machen und aufmerksam sein für verschiedene ungerechtigkeiten, hegemonien, ausbeutungung und gewaltverhältnisse und wie ich und mein jeweiliges gegenüber darin verwickelt sind und was wir beiden jetzt machen können.

    zivilcourage (auf ach so vielen holzwegen) nennt sich das wohl =) … und achtsamkeit.

    ich jedenfalls mag political correctness, weil und solange es sich für mich wie liebe und miteinander anfühlt. (uhh – liebe, ein großer begriff, der auch so einige probleme aufwirft. aber da werd ich heute nicht mehr fertig.)

    Kommentar von sAn & cArlchen | Dezember 10, 2009

  13. Ich hoffe, die Schwierigkeiten wurden überwunden. nur nicht klein kriegen lassen

    Kommentar von Ela | Januar 24, 2010


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