sAn & cArlchen

are you a BOY or a GIRL? NO!

erst denken – dann reden – dann (adäquat) handeln …

Sitz ich heut morgen in der wg-küche und entdecke die okt/09-ausgabe der HUch! …und was muß ich da lesen: die rechtsabteilung meiner Universität (HU Berlin) erstattete anzeige gegen die HUch! wegen „Beleidigung (…) übler Nachrede (…) Verleumdung “ in einem artikel („Wie weiß ist der
Elfenbeinturm?“) der letzten sonderausgabe zu rassismus, die mir doch so besonders gefallen hat. ich fass es nicht!

Kurz worum es ging …. „Ein Rechtsstreit zwischen zwei Dozenten am Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft der Freien Universität Berlin eröffnet einen neuen Blick auf einen oft totgeschwiegenen Aspekt des Wissenschaftsbetriebes:  Wie Rassismus und Weiße Definitionsmacht    dafür sorgen, dass unter dem Deckmantel „objektiver“ Wissenschaft kolonialrevisionistische Thesen vertreten und kritische Schwarze Perspektiven zum Schweigen gebracht werden sollen – zur Not vor  Gericht.“

gut – das strafverfahren ist eingestellt.

und trotzdem bin ich immer wieder enttäuscht und empört über das gedankengut und die manieren vieler in der uni wandelnden menschen. ich meine, wir leben im jahr 2009, wir sind an einer universität, d.h. dem ort wo das wissen produziert wird, was morgen in allen zeitungen, büchern und anderen medien zu lesen sein wird, d.h. also verantwortung!  – und schauen wir ins leitbild der HU Berlin so steht da ne menge von verantwortung, offenheit, fortschritt, austausch und gleichbehandlung …

„Vor diesem Hintergrund versteht sich die Humboldt-Universität seit Beginn ihrer Selbsterneuerung im Jahre 1989 als eine Institution, die sich für kritische Distanz gegenüber politischer und gesellschaftlicher Macht entschieden hat. Sie wendet sich gegen jede Form von Diskriminierung, Intoleranz und kultureller Selbstüberhöhung.“

Leider scheinen so einige das Leitbild und die darin bemühten Ideen ihrer Universität entweder nicht gelesen oder nicht verstanden zu haben … hier kann mensch das nachholen! Aber ordentlich und grundlich lesen! …. und überhaupt scheint es an der uni noch ne menge nachholbedarf zu geben.

weiterer vorschlag:

Wissensmacht – Machtwissen: Eine Reihe kritischer Auseinandersetzungen mit Rassismus und kolonialen Kontinuitäten in Universität und Wissenschaften

commit_flyer_vorne_web

vortragsreihe: wissensmacht - machtwissen

Im Rahmen der Kampagne verschiedener Berliner politischer Gruppen zur 125ten Jährung der Berliner Afrika-Konferenz von November 2009 bis Februar 2010 (www.berliner-afrika-konferenz.de) veranstaltet der Studierendenverein Commit Berlin e.V. eine Reihe, in der koloniale Kontinuitäten im Alltag und in Wissenschafts-betrieben thematisiert werden sollen. Die Veranstaltungen sind Teil der politischen Bildungsarbeit von Commit Berlin und sollen zur Sensibilisierung der deutschen Öffentlichkeit beitragen.

Ausgangspunkt ist die Universität als ein Ort, der den Alltag von Studierenden und Lehrenden wesentlich prägt und an dem vorgeblich universelles Wissen und ‚Wahrheiten’ produziert werden, sich gesellschaftliche Ein- und Ausschlüsse spiegeln, Zugänge zu Realität und Wissen verhandelt werden. Wir wollen kritisch hinterfragen, was in den Berliner Wissenschaftsbetrieben passiert. Wer kann dort sprechen und worüber? Wessen Stimme wird gehört? Wessen Wissen wird als Wissen anerkannt? Welche Funktion haben diese Ein- und Ausschlüsse für die Selbstkonstruktion der dominanten weißen Wissenschaften?

In Deutschland gibt es kaum Studiengänge, die sich explizit mit Post-Kolonialität befassen, zu viele (weiße) Menschen wissen und lernen nichts über die Berliner Afrika-Konferenz und deren bis heute währende Folgen. Die Auseinandersetzung mit deutscher Kolonialgeschichte und bis heute sicht- und spürbaren kolonialen Denk- und Verhaltensmustern und Strukturen ist noch nicht in der selbsternannten Mitte der Gesellschaft angekommen. Kolonialrevisionismus und Alltagsrassismus gehen Hand in Hand und legitimieren im Deutschland des 21. Jahrhunderts einen kolonialen Raum.
Die Veranstaltungsreihe soll zur Anerkennung eines post-kolonialen Diskurses in Deutschland beitragen und zu einer kritischen Reflexion (vor allem von Studierenden) über gewaltvolle Strukturen in ihrem eigenen Umfeld anregen.

Ebenso versuchen wir, eine breitere Öffentlichkeit für alltägliche Rassismen zu sensibilisieren. Wir wollen eine Einführung in diverse Themenbereiche wie Alltagsrassismus, diskriminierende Strukturen in den Wissenschaften oder Deutsch als  rassistische Sprache bieten, Denkanstöße geben und zur weiteren Diskussion und Reflexion der behandelten Themen anregen.
Für diese Verhandlungen haben wir die Universität gewählt, denn es ist an der Zeit, dass sich weitere Diskurse und Perspektiven an diesem Ort Platz verschaffen und so zu einer weiterreichenden Transformation beitragen.

Jeden zweiten Mittwoch um 18.30 Uhr im HU-Hauptgebäude (Unter den Linden 6), Raum 3038/3035

21.10.   Natasha A. Kelly: Afroism. Zur Situation einer ethnischen Minderheit in Deutschland
04.11.   Katharina Oguntoye: Geschichte(n) Schwarzer Menschen in Deutschland
18.11.   Dr. Grada Kilomba: Who can speak? University and the decolonization of knowledge
02.12.   Dr. Susan Arndt: Rassismus in der deutschen Sprache
16.12.   Yonas Endrias: Rassismus in der Wissenschaft – wissenschaftlicher Rassismus
13.01.   Aretha Schwarzbach-Apithy: Weiße kolonial-rassistische Lebensart  – innere Kolonisierung
27.01.   Prof. Dr. M. Maisha Eggers: Dekolonisierung als methodisches & methodologisches Projekt der Wissenschaftskritik
10.02.  Podium: Interventionen: Strategien zur De-Kolonisierung der Universität und Wissenschaften

Bis dahin … ich hoffe wir sehen uns!

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Oktober 23, 2009 - Posted by | berlin, kritik, Vortrag/Präsentation, wissenschaft | , ,

1 Kommentar »

  1. herzlichen dank fürs ankündigen!
    ich freue mich auf die weiteren Veranstaltungen und wenn du, sAn, und ihr leser_innen kommt 🙂
    lg jen

    Kommentar von jen | Oktober 23, 2009


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