sAn & cArlchen

are you a BOY or a GIRL? NO!

_xXx_ … der gender-gap war gestern!

männlich? weiblich? - fuck you! Ich komm‘ gerade von der queer*s calling – gediegener abend … am kicker bis (auf einmal) nur verloren. Aber ich hab auch was bekommen – eine neue idee von eine_x kommoliton_x … ja-ja – genau – das X.Ich hab euch heute sozusagen das X mitgebracht und reingepackt ins 8. Türchen.

Dank an Anne & Prof. Antje Hornscheidt

Was es mit dem X auf sich hat?

Naja grundsätzlich sollte euch das X ja bekannt sein – die quasi »natürliche« Bedeutung des 24. Buchstaben unseres Alphabets … chromosom X & chromosom Y

…und darum geht’s im heutigen Türchen – personale Appellation.

Das unsere deutsche Sprache bzw. deutsche Grammatik alle Nomen & Pronomen in geschlechtliche Codes packt, sollte dem_der geneigten Leser_in bereits aufgefallen sein.

der – die – daser – sie – es ….immer alles fein nach männlich, weiblich und sächlich eingeteilt. Es ist schwer ohne Verweis auf das Geschlecht auszukommen.

Meine bisherige bevorzugte personale Benennungspraxis war der gendergap – je nach Kontext auch mal das generische Femininum.

Davon mal abgesehen, dass die durchschnittlichen deutsch sprechenden Menschen gewohnheitsmässig dem generischen Maskulinum frönen, gibt es doch bereits einige andere die das Binnen-I oder die Schrägstrich-/Klammervariante bevorzugen. Die meisten jedoch empfinden alles (bspw. den gendergap), was darüber hinausgeht jedoch schon als übertrieben.

Ich persönlich bevorzugte den gendergap, weil er nicht nur sprachlich auf die beiden als Extreme konstruierten Geschlechterformen eingeht und sichtbar macht, dass es noch mehr geben kann. Das Binnen-I bspw. verweist eben ausschließlich auf das Vorhandensein von Frauen & Männern – mehr scheint da nicht zu geben. Mit dem gendergap hingegen soll der Lücke, dem nicht Sagbaren, dem Kontinuum der Möglichkeiten zwischen den kultivierten Polen Frau und Mann, in dem sich so einige Menschen empfinden oder befinden, einen sprachlich sichtbaren Raum geschaffen werden. Der Illusion zweier sauber trennbarer Geschlechter soll das bisher nicht Sagbare entgegengesetzt werden. Die Lücke wird dabei zum Beispiel mit einem Unterstrich (Leser_in), einem Sternchen (Leser*in) oder was auch immer ihr bevorzugt im Schriftbild deutlich gemacht. Beim Sprechen laß ich eine kurze Pause zwischen männlicher & weiblicher Form (Leser -pause- in).

Tja, aber die Zeiten sind vorbei … wer noch weitergehen will in Richtung Auflösung der fixen Bedeutung der Kategorie Geschlecht (keine Angst, ich glaube, niemand will Geschlechtlichkeit per se abschaffen), hat nun eine weitere Möglichkeit im Werkzeugkasten – das X. Es soll dem unausweichlichem Verweis auf die Pole von Geschlechtlichkeit ausweichen helfen, in dem es die Pole Frau-Mann sprachlich unsichtbar bzw. personale Appelationen quasi veruneindeutigt. An Stelle der gängigen geschlechtlich markierenden Endungen -er & -in, wird nun das X gesetzt.

Ja liebe_x Lese_x es mutet noch etwas eigentümlich an, aber erfahrungsgemäß macht die Massen das Kraut fett. Und meine Kommoliton_x und ich hatten gestern beim Aussprechen unserer Namen unglaublich viel Spaß.

Ach und laßt euch beim kreativen Umgang mit Sprache von Rechtschreibfanatik_X_n in und um euch nicht aus dem Konzept bringen – eine Dozent_x von mir hat mal gesagt, dass der Duden ein Regelwerk, eine Richtlinie, ein Hilfsmittel ist, KEIN GESETZ!

So far … wir sind begeistert! sA_x & cAr_x

Und für alle die überhaupt erstmal einen grundständigen Einstieg ins Thema nicht-diskriminierender Sprachgebrauch benötigen, hier erst mal zwei Links zum nachlesen & nachdenken:

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Dezember 8, 2007 - Posted by | gender studies, mitmachen, projekte | , , , ,

17 Kommentare »

  1. Liebe sA_x,
    mal sehen wie sich das „X“ einbindet, besonders in der gesprochenen Sprache. Die Menschen gucken schon beim meinem generisch Femininen. Wenn ich das „X“ raushole, fallen sie wohlmöglich um 🙂

    Außerdem bin ich bei meiner Namensform noch nicht glücklich!
    mA_x

    Kommentar von Mari* | Dezember 9, 2007

  2. …ich weiß – ich weiß … nicht einfach, aber das war der gap am anfang auch nicht. ich bevorzuge in deinem falle im übrigen lieber mAr_x oder wahlweise auch mAri_x.
    und wenn die leuts umfallen, hat das ja auch ihre vorteile >>> sie sind dir ausgeliefert *kicher

    Kommentar von sAn & cArlchen | Dezember 10, 2007

  3. sa_X, danke für deinen beitrag, hab dieses wochenende gerade „träume in den erwachenden morgen gelesen, da kommt das X mit seinen ganzen varianten gerade recht.
    lg, kat

    Kommentar von kat | Dezember 10, 2007

  4. Ok mit mAri_x kann ich leben! mAr_x finde ich nicht so gut. Zu Bedeutungsschwanger für meinen Geschmack.

    Kommentar von Mari* | Dezember 10, 2007

  5. „Träume in den erwachenden Morgen“ oder auch „Stone Butch Blues“ von Lesie Feinberg … gelesen selbst hab ich’s auch noch nicht, aber die Zusammenfassung von Silke Buttgereit klingt gut. Dank auch dir =D

    Kommentar von sAn & cArlchen | Dezember 10, 2007

  6. hallo sAx, ja der abend war wirklich nett, und die idee haben wir auch gleich am frühstückstisch fleißig ausprobiert.:-) nun haben sich aber noch fragen ergeben: wie gehen wir mit artikeln um? und was wird mit laut gelesenen längeren texten?
    liebe grüße

    Kommentar von danilola | Dezember 11, 2007

  7. @lola_x: was meinst du mit artikeln – personalpronomen? präzisier doch mal eure frage – lautgelesenen längere texte?

    und es gibt noch ein weiteres problem — „neutrale“ personale appellationen werden ja laut prototypenforschung & meiner hausarbeit doch wieder entsprechend des männlichen bias interpretiert >>> also wie sinnvoll. jedenfalls im moment

    Kommentar von sAn & cArlchen | Dezember 14, 2007

  8. ja ich meine personalpronomen. ja und auf einen podcast mit einem schönen text mit vielen x_en von dir warte ich gespannt.

    Kommentar von danilola | Januar 17, 2008

  9. ich arbeite am xXx!

    ach btw. ich hab durchaus schon poems verfasst die mit gap und diversen anderen sprachverschnörkelungen arbeiten. laut lesen lässt sich das ganze allerdings noch echt schwer.

    ausserdem steht immer noch die frage im raum, wie wir mit den ergebnissen der prototypenforschung und der neutralen appellation mit X umgehen … =/

    Kommentar von sAn & cArlchen | Januar 17, 2008

  10. Ausserdem wollt ich die liebe gemeinschaft hier mal darüber in kenntnis setzen, was aus meinem AOK-Briefchen geworden ist (siehe bild oben)

    ratet … na nüscht, die ham einfach den neuen betrag ohne kommentar abgebucht und gehen wohl davon aus, dass sich an meinem „geschlechte“ nicht geändert hat. den werd ich beim nächsten mal, aber was gaaaaaanz anderes erzählen *kicher

    Kommentar von sAn & cArlchen | Januar 17, 2008

  11. […] aktuelle Diskussion bei San&Carlchen […]

    Pingback von und täglich grüßt der bibliothekaR - geschlechtergerechte sprache im organisierten bibliothekswesen « danilolablog | Juli 13, 2008

  12. Hallo!
    Ich bin gerade auf diese x-Variante gestoßen, die ich wirklich sehr interessant finde. Ich studiere Gender Studies in Wien und arbeite gerade an einem Leitfaden für geschlechtergerechtes Formulieren für Student_innen – oder doch Student_x? 😉 Da hab ich mir gedacht, ich könnte diese Form einbauen. Gibt es dazu Literatur oder so?
    Danke für eure tolle Idee und liebe Grüße aus Wien,
    Beatrice (wie könnte mein Name mit x lauten?)

    Kommentar von beatrice | Januar 6, 2009

  13. Hey Beatrice,

    danke für deinen beitrag –

    also mir ist keine literatur zum thema bekannt – oder dass das X mal wer konzeptualisiert hat. es war nur ein versuch, der sich bisher als nur in namen praktizierbar erwiesen hat. wie lola in den kommentaren ganz richtig anmerkt – was ist mit den artikel? und desweiteren gibt es ja noch das „problem“ mit den neutralen benennungen, das ja mit dem X ebenfalls wieder eine form findet.

    alles nicht so einfach – aber es macht spaß. wenn’s neuigkeiten gibt, wirst du sicher was dazu auf meinem blog lesen.

    PS: dein name is ne harte nuß! …aber wie du siehst, bin auch ich bei sAn, statt saX geblieben. dir fällt bestimmt was ein!

    was mir aber in diesem zusammenhang aufgefallen ist, die zunehmende beliebtheit von selbstgewählten gekürzten namen um vergeschlechtlichung zu irritieren und z.t. zu umgehen.

    bsp. sAn(dra), clau(dia), jen(ifer), mari*(us), (dani)lo+la, jose(phine)

    … ach der phantasie sind dabei glücklicherweise keine grenzen gesetzt und in zeiten des internets und der zunehmenden fragmentierung des einen lebens in verschiedenartige lebensabschnitte scheint sich das abschnittsweise tragen von je spezifischen namen leichter durch zu setzen.
    … funktioniert natürlich nicht bei allen – und ich weiß natürlich, dass spitznamen kein neues phänomen ist. aber wie gesagt, die art & weise hat sich jedenfalls in meinem kontext verändert – selbstgewählt eben und mutiger.

    Kommentar von sAn & cArlchen | Januar 13, 2009

  14. Ich denke einen/eine/einen Haken hat der/die/das Ganze allerdings noch:

    X verschleiert nicht nur den/die/das Geschlecht sondern leider auch den/die/das Dativ verschleiert.

    Ich würde daher den/die/das Konzept noch weiterentwickeln und hinter dem/der/dem X noch den/die/das Kasusendung anhängen, also nicht:

    laßt euch [..] von Rechtschreibfanatik_X [..] nicht aus dem Konzept bringen

    sondern
    laßt euch [..] von Rechtschreibfanatik_X_n [..] nicht aus dem Konzept bringen

    Kommentar von Benjamin | April 29, 2009

  15. Hallo Benjamin =) …ja,ja die sache mit den haken, es gibt dersolchen viele und viele mag ich sogar.
    Und Du meintest sicherlich die kasusendung für den plural, so jedenfalls das beispiel. hab das im text gleichmal geändert, weil es mir ebenfalls plausibler erscheint – dank dir also.

    es gibt übrigens von obengenannter prof.x antje hornscheidt wieder mal ein interessantes beispiel, wie mensch mit sprache kreativ umgehen kann … Im 2007 erschienenen buch „gender als interdependente kategorie“ schreibt sie einen beitrag zur sprachlichen kategoriesierung als grundlage und problem des redens über interdependenzen. aspekte sprachlicher normalisierung und privilegierung“

    Kommentar von sAn & cArlchen | April 30, 2009

  16. […] ner weile hab ich ja auch schon mal im anschluß an einen lustig-kreativen abend nen kleinen artikel zum thema geschrieben. und dabei konstatiert, es ist „….immer alles fein nach männlich, weiblich und […]

    Pingback von sprache & geschlecht « sAn & cArlchen | März 13, 2011


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