_xXx_ … der gender-gap war gestern!

8 12 2007
männlich? weiblich? - fuck you! Ich komm’ gerade von der queer*s calling - gediegener abend … am kicker bis (auf einmal) nur verloren. Aber ich hab auch was bekommen - eine neue idee von eine_x kommoliton_x … ja-ja - genau - das X.Ich hab euch heute sozusagen das X mitgebracht und reingepackt ins 8. Türchen.

Dank an Anne & Prof. Antje Hornscheidt

Was es mit dem X auf sich hat?

Naja grundsätzlich sollte euch das X ja bekannt sein - die quasi »natürliche« Bedeutung des 24. Buchstaben unseres Alphabets … chromosom X & chromosom Y

…und darum geht’s im heutigen Türchen - personale Appellation.

Das unsere deutsche Sprache bzw. deutsche Grammatik alle Nomen & Pronomen in geschlechtliche Codes packt, sollte dem_der geneigten Leser_in bereits aufgefallen sein.

der - die - daser - sie - es ….immer alles fein nach männlich, weiblich und sächlich eingeteilt. Es ist schwer ohne Verweis auf das Geschlecht auszukommen.

Meine bisherige bevorzugte personale Benennungspraxis war der gendergap - je nach Kontext auch mal das generische Femininum.

Davon mal abgesehen, dass die durchschnittlichen deutsch sprechenden Menschen gewohnheitsmässig dem generischen Maskulinum frönen, gibt es doch bereits einige andere die das Binnen-I oder die Schrägstrich-/Klammervariante bevorzugen. Die meisten jedoch empfinden alles (bspw. den gendergap), was darüber hinausgeht jedoch schon als übertrieben.

Ich persönlich bevorzugte den gendergap, weil er nicht nur sprachlich auf die beiden als Extreme konstruierten Geschlechterformen eingeht und sichtbar macht, dass es noch mehr geben kann. Das Binnen-I bspw. verweist eben ausschließlich auf das Vorhandensein von Frauen & Männern - mehr scheint da nicht zu geben. Mit dem gendergap hingegen soll der Lücke, dem nicht Sagbaren, dem Kontinuum der Möglichkeiten zwischen den kultivierten Polen Frau und Mann, in dem sich so einige Menschen empfinden oder befinden, einen sprachlich sichtbaren Raum geschaffen werden. Der Illusion zweier sauber trennbarer Geschlechter soll das bisher nicht Sagbare entgegengesetzt werden. Die Lücke wird dabei zum Beispiel mit einem Unterstrich (Leser_in), einem Sternchen (Leser*in) oder was auch immer ihr bevorzugt im Schriftbild deutlich gemacht. Beim Sprechen laß ich eine kurze Pause zwischen männlicher & weiblicher Form (Leser -pause- in).

Tja, aber die Zeiten sind vorbei … wer noch weitergehen will in Richtung Auflösung der fixen Bedeutung der Kategorie Geschlecht (keine Angst, ich glaube, niemand will Geschlechtlichkeit per se abschaffen), hat nun eine weitere Möglichkeit im Werkzeugkasten - das X. Es soll dem unausweichlichem Verweis auf die Pole von Geschlechtlichkeit ausweichen helfen, in dem es die Pole Frau-Mann sprachlich unsichtbar bzw. personale Appelationen quasi veruneindeutigt. An Stelle der gängigen geschlechtlich markierenden Endungen -er & -in, wird nun das X gesetzt.

Ja liebe_x Lese_x es mutet noch etwas eigentümlich an, aber erfahrungsgemäß macht die Massen das Kraut fett. Und meine Kommoliton_x und ich hatten gestern beim Aussprechen unserer Namen unglaublich viel Spaß.

Ach und laßt euch beim kreativen Umgang mit Sprache von Rechtschreibfanatik_X in und um euch nicht aus dem Konzept bringen - eine Dozent_x von mir hat mal gesagt, dass der Duden ein Regelwerk, eine Richtlinie, ein Hilfsmittel ist, KEIN GESETZ!

So far … wir sind begeistert! sA_x & cAr_x

Und für alle die überhaupt erstmal einen grundständigen Einstieg ins Thema nicht-diskriminierender Sprachgebrauch benötigen, hier erst mal zwei Links zum nachlesen & nachdenken:

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12 Antworten zu “_xXx_ … der gender-gap war gestern!”

9 12 2007
Mari* (15:51:04) :

Liebe sA_x,
mal sehen wie sich das “X” einbindet, besonders in der gesprochenen Sprache. Die Menschen gucken schon beim meinem generisch Femininen. Wenn ich das “X” raushole, fallen sie wohlmöglich um :)

Außerdem bin ich bei meiner Namensform noch nicht glücklich!
mA_x

10 12 2007
sAn & cArlchen (03:03:45) :

…ich weiß - ich weiß … nicht einfach, aber das war der gap am anfang auch nicht. ich bevorzuge in deinem falle im übrigen lieber mAr_x oder wahlweise auch mAri_x.
und wenn die leuts umfallen, hat das ja auch ihre vorteile >>> sie sind dir ausgeliefert *kicher

10 12 2007
kat (11:34:34) :

sa_X, danke für deinen beitrag, hab dieses wochenende gerade “träume in den erwachenden morgen gelesen, da kommt das X mit seinen ganzen varianten gerade recht.
lg, kat

10 12 2007
Mari* (11:34:35) :

Ok mit mAri_x kann ich leben! mAr_x finde ich nicht so gut. Zu Bedeutungsschwanger für meinen Geschmack.

10 12 2007
sAn & cArlchen (13:23:04) :

“Träume in den erwachenden Morgen” oder auch “Stone Butch Blues” von Lesie Feinberg … gelesen selbst hab ich’s auch noch nicht, aber die Zusammenfassung von Silke Buttgereit klingt gut. Dank auch dir =D

11 12 2007
danilola (16:31:23) :

hallo sAx, ja der abend war wirklich nett, und die idee haben wir auch gleich am frühstückstisch fleißig ausprobiert.:-) nun haben sich aber noch fragen ergeben: wie gehen wir mit artikeln um? und was wird mit laut gelesenen längeren texten?
liebe grüße

14 12 2007
sAn & cArlchen (06:25:31) :

@lola_x: was meinst du mit artikeln - personalpronomen? präzisier doch mal eure frage - lautgelesenen längere texte?

und es gibt noch ein weiteres problem — “neutrale” personale appellationen werden ja laut prototypenforschung & meiner hausarbeit doch wieder entsprechend des männlichen bias interpretiert >>> also wie sinnvoll. jedenfalls im moment

22 12 2007
17 01 2008
danilola (22:40:17) :

ja ich meine personalpronomen. ja und auf einen podcast mit einem schönen text mit vielen x_en von dir warte ich gespannt.

17 01 2008
sAn & cArlchen (23:43:59) :

ich arbeite am xXx!

ach btw. ich hab durchaus schon poems verfasst die mit gap und diversen anderen sprachverschnörkelungen arbeiten. laut lesen lässt sich das ganze allerdings noch echt schwer.

ausserdem steht immer noch die frage im raum, wie wir mit den ergebnissen der prototypenforschung und der neutralen appellation mit X umgehen … =/

17 01 2008
sAn & cArlchen (23:47:15) :

Ausserdem wollt ich die liebe gemeinschaft hier mal darüber in kenntnis setzen, was aus meinem AOK-Briefchen geworden ist (siehe bild oben)

ratet … na nüscht, die ham einfach den neuen betrag ohne kommentar abgebucht und gehen wohl davon aus, dass sich an meinem “geschlechte” nicht geändert hat. den werd ich beim nächsten mal, aber was gaaaaaanz anderes erzählen *kicher

13 07 2008

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